Poggioreale Antica, eine verlassene Stadt auf Sizilien und stand während unserer Reise im Frühjahr 2025 auf dem Plan. Ein faszinierendes Zeugnis vergangener Zeiten. Dieses einst lebendige Dorf wurde 1968 durch ein verheerendes Erdbeben zerstört und kann heute noch besucht werden.

Die Geschichte Poggioreale Antica
In der Nacht zum 15. Januar 1968 erschütterte ein schweres Erdbeben das Belice-Tal im Südwesten Siziliens. Bei diesem Erdbeben wurde das alte Dorf Poggioreale nahezu vollständig zerstört. Die Überreste der Stadt stehen bis heute als stumme Zeugen dieser Tragödie und zeigen die zerstörerische Kraft der Natur.
Die Ruinen ziehen noch heute Besucher an, die mehr über die Geschichte und die Tragödie erfahren möchten. Die einst prächtigen Gebäude, darunter Wohnhäuser, Kirchen und öffentliche Einrichtungen, wurden fast vollständig zerstört. Bei dem tragischen Erdbeben kamen in der gesamten Region etwa 370 Menschen ums Leben. In Poggioreale selbst wurden drei Todesopfer verzeichnet. Dank einer rechtzeitigen Warnung eines Carabinieri konnten viele Bewohner rechtzeitig ihre Häuser verlassen, sodass die Zahl der Todesopfer im Dorf Poggioreale vergleichsweise gering blieb.
Poggioreale Nuova: Der Neuanfang in Sichtweite
Nach dem Erdbeben entschieden sich die Behörden, Poggioreale nicht mehr an Ort und Stelle wiederaufzubauen, sondern einige Kilometer entfernt eine neue Siedlung zu errichten. Poggioreale Nuova entstand in den Jahren nach der Katastrophe und beherbergt heute rund 1.300 Einwohner. Obwohl die neue Stadt moderne Infrastruktur bietet, bleibt die emotionale Bindung vieler Bewohner zur alten Heimat bis heute spürbar.

Anreise mit dem Wohnmobil
Poggioreale Antica liegt in der Provinz Trapani im Westen Siziliens. Die Anfahrt führte uns durch malerische Landschaften, bevor die Ruinen der Stadt plötzlich vor uns auftauchten. Wir haben Poggioreale von Süden angefahren und nach Norden verlassen. Mit dem Wohnmobil empfehlen wir daher die Anfahrt von Süden, da die Straßen dort neu ausgebaut und breiter sind. Von Norden ist die Anfahrt ebenfalls möglich. Allerdings sind hier die Straßen schmaler und schlechter, aber trotzdem auch mit größeren Wohnmobilen machbar.

Ein Rundgang durch das Dorf Poggioreale Antica
Am Eingang trafen wir zufällig auf ein Mitglied des „Associazione Poggioreale Antica“, eines gemeinnützigen Vereins. Der Verein kümmert sich seit 2011 um den Erhalt der Ruinen. Dank der Unterstützung des Vereinsmitgliedes konnten wir das Gelände betreten und mehr über die Geschichte des Ortes erfahren.
Bei unserem Rundgang durch die verlassenen Gassen fühlten wir die einstige Lebendigkeit dieses Ortes. Er ist noch immer von den Erinnerungen an vergangene Zeiten geprägt. In den stillen Straßen standen die Überreste von Häusern, in denen einst das Leben pulsierte.

Wir besuchten die alten Kirchen und Piazzas, die trotz der Zerstörung noch immer eine beeindruckende Atmosphäre ausstrahlten. Die Ruinen der Kirchen, deren steinerne Wände der Zeit trotzen, erzählten von der einstigen religiösen Bedeutung des Dorfes. An den Piazzas, die einst als Treffpunkte für die Dorfgemeinschaft dienten, konnten wir noch die Erinnerungen an das lebendige Treiben spüren.
Ein besonders bewegender Anblick war das verlassene Krankenhaus, dessen verwitterten Wände die Grauen der Katastrophe zeigten.
Dieser Rundgang durch die Ruinen von Poggioreale Antica war nicht nur eine Reise durch die Geschichte, sondern zusätzlich eine emotionale Auseinandersetzung mit dem Schicksal eines ganzen Dorfes, das vom Erdbeben zerrissen wurde.
Sicherheit in der Geisterstadt
Es ist wichtig zu beachten, dass viele Bereiche der Ruinen einsturzgefährdet sind. Das Betreten der Gebäude ist daher untersagt. Wir hielten uns an die markierten Wege und folgten den Anweisungen des Vereinsmitglieds. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, da der Untergrund teilweise uneben ist. Besonders mit Kindern sollte man aufmerksam sein.
Der Verein und das Erinnerungsmuseum
Der Verein „Associazione Poggioreale Antica“ bemüht sich nicht nur um den Erhalt der Ruinen, sondern auch um die Anerkennung des Ortes als Kulturerbe. Ihr Engagement ermöglicht es Besuchern, einen Einblick in die Geschichte und die Bedeutung von Poggioreale Antica zu erhalten.
Der Anschließenden Besuch im Erinnerungsmuseum von Poggioreale Antica ebenfalls war ein unvergessliches Erlebnis. Eingebettet in die Ruinen des Dorfes, spürten wir förmlich die Geschichte, die hier noch immer in den Mauern lebendig ist. Das Museum bietet einen eindrucksvollen Einblick sowohl in das Leben vor als auch nach der Katastrophe von 1968. Mit alten Alltagsgegenständen und Bildern aus der Vergangenheit fühlten wir uns, als wären wir Zeugen einer anderen Zeit. Ein Ort der Erinnerung, der uns tief berührte.
Die Öffnungszeiten
Die genauen Öffnungszeiten des Erinnerungsmuseums und des Dorfes Poggioreale Antica sind nicht öffentlich dokumentiert. Sie waren für uns trotz Erklärungsversuch auch nicht richtig nachvollziehbar. Wir empfehlen euch daher, vor einem geplanten Besuch direkt an die zuständigen Stellen zu wenden, um aktuelle Informationen zu erhalten. Wir hatten Glück das genau zu dem Zeitpunkt jemand vom Verein vor Ort war. Hier könnt ihr euch vorab anmelden.
Beste Reisezeit
Die beste Zeit für einen Besuch ist der Frühling oder Herbst. Im Sommer kann es in Sizilien extrem heiß werden, und da es vor Ort kaum Schatten gibt, wird der Besuch schnell anstrengend.
morgens (ruhig & angenehme Temperaturen)
später Nachmittag (perfektes Licht für Fotos)
Fotospots & Highlights
Poggioreale ist ein echtes Paradies für Fotografen. Besonders spannend sind:
✔ die alten Gassen mit verfallenen Häusern
✔ die Kirche und die Piaza im Zentrum
✔ das verlassen Krankenhaus
Fazit
Poggioreale Antica ist mehr als nur ein Lost Place. DAs Dorf ist ein Symbol für Verlust, Erinnerung und den unerschütterlichen Willen zum Wiederaufbau. Ein Besuch zeigt euch nicht nur einen Einblick in die Geschichte Siziliens, sondern auch in die Resilienz seiner Menschen.
Für kleine Camper – gegen Langeweile bei längeren Wohnmobilfahrten

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